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Die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata)

Portrait über ein fast vergessenes Wildkraut und das älteste einheimische Gewürz


Aufrecht und zart

wandelnde Blätter

am Stängel unten leicht behaart

wie Bärlauch, nur netter



Knoblauchsrauke in der Blüte
blühende Knoblauchsrauke

Aufrecht und zart steht sie am Wegesrand und streckt ihre kleinen weißen Blüten nach oben. Mit ihren dünnen, zerbrechlichen Blättern wie Pergamentpapier und den kleinen zum Himmel reckenden Samenständen wird sie oftmals übersehen. Dass in ihr so starke Aromen stecken, wie man sie sonst von Meerrettich, Radieschen oder Wasabi kennt, überrascht und macht neugierig darauf, wie die Knoblauchsrauke in verschiedenen Gerichten schmeckt.


Andere Namen dieser wilden Schönheit sind Knoblauchskraut, Lauchhederich, Lauchkraut oder Knoblauchhederich. Hederich ist ein veraltetes Wort für Unkraut und lässt darauf schließen, dass dieses Wildkraut schon früher häufig zu finden war.


Wem Bärlauch zu stark ist, könnte es einmal mit ihr versuchen: Die Blätter schmecken sanft nach Knoblauch, doch das Aroma ist hier viel milder. Die Scharfstoffe stecken in beiden Pflanzen und auch die Wirkung auf den Körper ist vergleichbar.


Die Samen hingegen sind richtige Kraftpakete, und schon auf einem Samen von 3 mm Größe herumzukauen befreit die Atemwege, denn hier kommt die Ähnlichkeit zum Asiatischen Verwandten, dem Wasabi, am meisten durch. Aber auch die Wurzel und die Blüten können verwendet werden.


Samen der Knoblauchsrauke
Samenstände der Knoblauchsrauke

Die Knoblauchsrauke ist eine zarte und starke Wildpflanze zugleich. Sie ist eine wahre Verwandlungskünstlerin, denn in ihrem Vegetationsverlauf verändert sie ihre Blattform von nierenförmig zu spitz zulaufend und erinnert im späteren Stadium etwas an die Blätter von Taub- oder Brennnesseln.


Man kann sie häufig an Waldrändern und Waldwegen sowie auf Kahlschlägen finden. Sie mag feuchtere Standorte und lehmigen Boden. In die Blüte geht sie erst im zweiten Jahr, und so gibt es in manchen Jahren eine richtige Fülle an scharfen Samen, und im darauffolgenden Jahr ab gleichen Standort wieder weniger.


Und was steckt drin?


Wie du bereits weißt, ist sie mit Radieschen, Meerrettich und Wasabi verwandt. Sie gehört zur Pflanzenfamilie der Kreuzblütler, welche du sehr schön an der 4-teiligen, kreuzförmig angeordneten Blüte erkennen kannst.


In vielen dieser Kreuzblütler stecken Senföfglykoside und Scharfstoffe, die für den typischen scharfen, aromatischen Geschmack verantwortlich sind. Die Knoblauchsrauke enthält außerdem ätherisches Öl, Zuckerstoffe, Saponine, geringe Mengen blutdruckregulierende Glykoside, reichlich Vitamin C und A sowie verschiedene Mineralstoffe.


Anwendung in der Hausapotheke


Die Knoblauchsrauke kann dich mit ihren Inhaltsstoffen bei Katarrhen der Atemwege und Asthma unterstützen. Sie ist ein wildes Antibiotikum, wirkt also keimtötend und antibakteriell. Sie kann außerdem die Verdauung unterstützen, wirkt harntreibend und kann äußerlich bei eiternden Wunden und Insektenstichen Abhilfe schaffen.


Verwendung in der Küche


Im Frühling kannst du die frischen Triebe und jungen Blätter als Salat, Würze für Suppen, für Pesto oder Kräuterquark verwenden. Die Blüten, welche typischerweise im Frühsommer erscheinen sind eine würzige essbare Deko und zaubert Freude auf den Teller. Die später ausreifenden Samenstände kannst du unreif, also grün, zum Würzen verwenden, oder du wartest die Samenreife ab und nimmst die kleinen Kraftpakete als Pfeffer- oder Senf-Ersatz. Im Herbst kannst du außerdem die Wurzel verwenden, die sich gut in verschiedenen Gemüsegerichten als Würze macht.



Insgesamt schmeckt die Knoblauchsrauke mild knoblauchartig und man kann sie als eine Mischung aus Knoblauch und Kresse einordnen. Der Geschmack ändert sich je nach Sammelzeitpunkt, es lohnt sich total, sie im Laufe des Jahres immer wieder zu verarbeiten und ihre vielen Facetten kennenzulernen. Ihr Aroma verfliegt schnell, was einerseitz praktisch ist, wenn man Knoblauch-Aroma ohne typische Knofi-Fahne erleben möchte, aber andererseits schlecht zu konservieren ist. Getrocknet steckt in den Blättern kaum noch Geschmack, am besten verwendest du sie also frisch.


Botanik


Die Knoblauchsrauke gehört zur Familie der Kreuzblütler. Du erkennst sie an folgenden Merkmalen:

Knoblauchsrauke Blüte
Kreuzblüte der Knoblauchsrauke

  • zwei- bis mehrjährige Pflanze

  • Blätter im unteren Bereich groß und nierenförmig

  • Blätter oben dreieckig bis herzförmig spitz

  • Blattrand unregelmäßig gezähnt

  • Stängel ist unverzweigt und aufrecht, schwach kantig und nach unten hin zunehmend behaart

  • Weiße Blüten sitzen am Stängel-Ende, sind locker angeordnet und haben 4 nicht verwachsene Blütenblätter

  • Blüten haben 6 Staubblätter

  • Die Frucht ist vierkantig und hat 6-8 Samen von ca. 3 mm Größe

  • Wuchshöhe 20-100 cm


Ökologie


Die Knoblauchsrauke ist ein Stickstoffanzeiger und wächst gerne neben der roten Taubnessel. Sie ist eine beliebte Futterpflanze für Raupen des Kohlweißlings oder Aurorafalters. Die Blüten werden gerne von Wildbienen aufgesucht.


Geschichtliches


Schon vor 5000 Jahren wurde die Knoblausrauke zum Kochen verwendet! In alten Toptöpfen von der Ostsee ließen sich Spuren der Pflanze finden. Somit ist sie das älteste bekannte einheimische Gewürzkraut!


Im Mittelalter sowie in Notzeiten wurde sie als kostenfreie Alternative zu anderen Gewürzen wie Pfeffer genutzt, die sich sonst nur die reicheren Schichten der Bevölkerung leisten konnte. Im Mittelalter wurde sie aus diesem Grund extra in Gärten angepflanzt.


Was damals vermutlich selbstverständlich in die Ernährung einfloss, ist heute fast vergessen.


Lassen wir diese uralte Weisheit und Verbundenheit mit den Pflanzen um uns herum wieder aufleben und unsere Gerichte mit der leckeren Knoblauchsrauke aufwerten!


Hinweise


Sammle nur, was du zu 100% bestimmen kannst. Nimm dir ein Bestimmungsbuch oder eine App zur Hilfe, um Verwechslungen auszuschließen. Pflanzenbestimmung mit Hilfe von KI ist alarmierend ungenau und führt immer häufiger zu Vergiftungen. Bei meinen Kräuterwanderungen und Workshops in Leipzig gewinnst du Sicherheit im Umgang mit Wildpflanzen.


Die hier dargestellten Inhalte stellen keine Empfehlungen dar. Sie sind aus historischen und wissenschaftlichen Quellen recherchiert und werden von mir zusammengefasst. Bei Erkrankungen, suche bitte dein medizinisches Team auf.


Quellen:

Fleischhauer, Guthmann und Spiegelberger (2022) Essbare Wildpflanzen. 26. Auflage. AT Verlag AG

Alle verwendeten Fotos stammen von Daniela Kahrens.


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